FLEYE X Annette Saust Estø

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09 Dez FLEYE X Annette Saust Estø

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FLEYE steht für ‚Fine Looking EYE’ und ist ein dänisches Brillenlabel, welches über Gemeinsamkeiten mit anderen dänischen Designerlabels verfügt, aber dennoch seine ganz eigene Design-Handschrift hat – ein guter Grund, der Marke auf ihrem Landsitz in der Nähe von Kopenhagen einen Besuch abzustatten. Wir haben im Internet bereits Bilder gesehen, aber unser Aufenthalt gestaltete sich noch ländlicher als wir vorher vermuten konnten. Das Anwesen, auf dem der Firmensitz von FLEYE steht, würde sich auch als Golf-Resort eignen. Wir genießen mit Inhaberin Annette Saust Estø den Ausblick von der Terrasse, während sie uns an der FLEYE-Geschichte teilhaben lässt. Egal ob das Multitasking bei ihrer Arbeit, ihre ausgiebigen beruflichen und privaten Reisetätigkeiten oder die Tatsache, dass sie bereits sieben Enkelkinder zählt … wir sind beeindruckt von den Energiereserven einer 54-Jährigen, die den Müßiggang meidet wie der Teufel das Weihwasser. Es scheint ihr und dem Label mit den bunten Farben, nicht geschadet zu haben.

Hallo Annette, wir sitzen hier auf der Terrasse vor dem Barfredshøj Manor House, dem Sitz der Marke FLEYE. Wir haben einen schönen Blick auf den Garten, oder besser gesagt, den weitläufigen Park rund um das Anwesen. Eigentlich würde man eine Design-orientierte und international bekannte Brillenmarke aus Dänemark eher in Kopenhagen oder Aarhus vermuten. Was bringt Euch aufs Land?
Das hat vor allem damit zu tun, dass wir seit Gründung der Firma mit einem ähnlichen Domizil verwöhnt waren. Um die Miete für ein Büro zu sparen, haben wir in meinem alten Landhaus angefangen, wo ich mit meinem Mann und meinen vier Kindern lebe. Es ist ein riesiges, altes Haus, mitten auf dem Land, mit großem Garten und herrlichem Ausblick auf die Felder.

Aber anscheinend nicht groß genug?
FLEYE ist rasant gewachsen und wir brauchten sehr bald mehr Platz. Anfangs suchten wir nach einer Location, die leicht per Bahn und Auto erreichbar ist und wo man leichter Pakete senden und empfangen kann. Aber keine der Immobilien hatte eine schöne Möglichkeit zum Mittagessen im Freien oder einen Blick auf den Himmel. Dann hat Lars letztendlich dieses tolle Haus gefunden. Zwar gibt es keinen Bahnhof in der Nähe, aber mit dem Auto sind es nur 25 Minuten bis Kopenhagen.

Es ist schon sehr abgelegen. Welche Vorteile hat der Bürostandort auf dem Land?
Man fühlt sich entspannt, sobald man am Arbeitsplatz ankommt, weil es einfach so ruhig ist. Man hört die Vögel singen und sieht die Rehe und Pferde auf der Weide. Hier ist es das ganze Jahr über wunderschön. Das Licht ändert sich je nach Jahreszeit. Für alle unter uns, die viel Zeit in großen Städten verbringen, ist es eine nette Abwechslung.

Abwechslung ist gut, kommen wir also zu Eurer Firma. Wie genau kam die Idee zu FLEYE? Wann und weshalb habt Ihr die Firma gegründet?
Zum Brillendesign kam ich aus reinem Zufall. Als meine Kinder noch klein waren, war ich nicht in der Lage, irgendetwas zu zeichnen, das sie erkennen konnten! Aber bei meiner ehemaligen Firma, in der ich als Vertriebsleiterin arbeitete, war mein Chef ein ziemlich fauler Designer. Er machte das Design für die Brillen und ich verkaufte sie. Ich habe mich öfters beschwert, dass er so lange braucht, neue Modelle zu entwickeln. Bis er meinte: „Wenn Du glaubst es sei so leicht, warum versuchst Du es nicht einfach mal selbst?!“ Das habe ich dann eines Abends am Küchentisch auch gemacht. Dabei waren meine Fähigkeiten als Lehrerin in einer Schule für Augenheilkunde sehr hilfreich und ich konnte mühelos Brillengestelle zu Papier bringen. Es fühlte sich irgendwie ganz natürlich an. Also entwarf ich bald sehr viele neue Modelle. Letztendlich verkauften sie sich sogar viel besser als die von meinem Chef entworfenen Brillen.
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Was gab dann den Ausschlag, FLEYE zu gründen?
Irgendwann ergriff meine beiden Kollegen Lars Halstrøm und Hanne Rosenvold Anderson und mich der Mut, eine eigene Firma zu gründen. FLEYE entstand aus unserer gemeinsamen Leidenschaft für Brillendesign. Jeder von uns verfügt über langjährige Erfahrung in der Optikbranche. Und wir alle hatten unsere eigene Vorstellung, wie großartige Brillen gestaltet werden sollten. Also entwickelten wir unser Konzept für federleichte und allergiefreundliche Brillen in innovativen Farbkombinationen. Und schon bald kam unsere neue dänische Design-Marke ins Rollen.

Welche Art von Erfahrung bringt Ihr drei in die Firma mit ein? Und wie ergänzen sich Eure Fähigkeiten?
Unsere Persönlichkeiten und individuellen Stärken sind sehr unterschiedlich, wir ergänzen uns blendend und arbeiten in einer Art kreativer Symbiose zusammen. Lars ist Jahrgang 1970 und der Vertriebsleiter von FLEYE. Als Sohn eines Optikers war er seit jungen Jahren von Brillen umgeben. Hanne ist 1958 geboren und Firmenchefin von FLEYE. Sie hat ihren Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht und als Führungskraft gearbeitet, legt aber im täglichen Geschäft gern Hand an. Ich selbst bin Jahrgang 1959 und als Leiterin von Design und Marketing bei FLEYE. Das Dreieck in der grafischen Kommunikation von FLEYE spiegelt unsere Zusammenarbeit als Trio wider.

In so einem Matriarchat ist es für den zwölf Jahre jüngeren Lars als einzigen Mann sicher nicht leicht…
Lars liebt Frauen, also hat er Hanne und mich „geheiratet“, als wir FLEYE gegründet haben. Bei seiner eigenen Hochzeit vor vier Jahren hat er sogar seine Rede damit begonnen, seiner Frau zu beichten, dass er bereits mit zwei älteren Damen verheiratet ist. [lacht]. Leute aus der Branche fragten Lars am Anfang: „Wieso gründest Du eine Firma mit diesen Frauen?“ Aber eigentlich war es sogar seine Idee, denn Lars kam damals auf uns zu.

Was war die größte Herausforderung beim Aufbau Eurer eigenen Firma?
Die richtige Idee zu haben. Aus welchem Grund sollte jemand Brillen von uns kaufen? Es gibt bereits so viele Firmen, die schöne Produkte anbieten. Nachdem wir die Idee hatten, mussten wir die Finanzierung regeln. Wir haben unsere Ersparnisse zusammengelegt und uns geeinigt, dass niemand ein Gehalt ausgezahlt bekommt, bis die ersten Kunden für unsere Produkte bezahlt hatten. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern. Ein Jahr später bekamen wir dann unser erstes Gehalt und ich habe mich noch nie so sehr über einen Zahlungseingang auf meinem Konto gefreut! Das füllte eine gewaltige Lücke, damals.

Annette, wieso hast Du kein eigenes Büro? An Platzmangel kann es ja nicht liegen, oder?
Nein, der Grund ist, dass ich zu oft verreise. Und wenn ich hier in unserer Zentrale bin, will ich so nah wie möglich bei meinen Mitarbeitern sein. Ich habe gern Leute um mich. Außerdem arbeite ich nie an meinem Schreibtisch. Der ist zugepackt mit Produktmustern, Papierkram und Materialien. Wenn ich Brillengestelle entwerfe, arbeite ich entweder von zuhause oder auf meinen Reisen aus privaten oder geschäftlichen Gründen.

Die charakteristischen Farben von FLEYE sind Schwarz, Weiß, Blau und Orange. Ist das genau das Orange Deiner Haarfarbe? Und was kam zuerst – die Haar- oder die Firmenfarbe?
Die orangefarbenen Haare habe ich schon seit 25 Jahren! Zwischendurch gab es nur eine dreijährige Auszeit, weil ich längere Haare wollte. Also waren die Haare in der Zeit mein natürliches Braun. Als sie dann schön lang waren, bekam ich Brustkrebs und während der Chemotherapie fielen die Haare wieder aus. Direkt danach haben wir FLEYE gegründet und der Designer, der die vier Firmenfarben vorschlug, hatte meine orangefarbenen Haare noch nie gesehen! Als sie dann wieder nachgewachsen sind, habe ich sie erneut orange gefärbt und jetzt passen sie perfekt zu FLEYE! [lacht] Das ist sehr praktisch, weil ich dadurch sehr leicht zu erkennen bin und die Leute sich an mich erinnern.

Neben Deiner Haarfarbe und Deiner Arbeit als Multitaskerin sind auch Hobbys wie Bergsteigen in großen Höhen alles andere als typisch für eine 54-Jährige. Woher nimmst Du die Energie?
Ich hatte schon immer sehr viel Energie und großen Entdeckungsdrang. Mein Mann und ich gehen gerne Wandern und Bergsteigen. Nicht zu extrem, aber schon Expeditionen, bei denen man etwas mehr leistet, als man sich sonst zutraut. Jetzt wo die Kinder alle aus dem Haus sind, haben wir Zeit dafür. So waren wir schon auf dem Kilimanjaro und im letzten Jahr bestiegen wir den Aconcagua, mit fast 7000 Metern der höchste Berg in Südamerika. Wir haben 14 wunderbare Tage in einem fantastischen Naturschutzpark verbracht und sind fast bis zum Gipfel gewandert. In der Nacht vor der Gipfelbesteigung gab es einen Schneesturm. Also mussten wir nur 400 Meter vor dem Ziel umkehren und wieder ins Camp zurück. Der Gipfel wurde die nächsten drei Tage über gesperrt, also hatten wir keine Gelegenheit für einen weiteren Versuch. Aber wir kommen im Jahr 2016 wieder – wir MÜSSEN es noch mal probieren!

Du bist eine sehr beschäftigte Frau. Dabei bleibt sicher wenig Zeit für Familie und Kinder?
Drei Ehemänner, vier Kinder und sieben Enkelkinder… [lacht] Ich tue mein Bestes, sie alle so oft wie möglich zu sehen. Ich hatte das große Glück, meine Kinder auf die Welt zu bringen als ich zwischen 20 und 30 Jahre alt war. Bereits früh Enkelkinder zu haben ist nett, weil man noch jede Menge Energie hat, mit ihnen zu spielen. Aber ich bin nicht die Art von Oma, die man einfach morgens als Babysitter einspannen kann, weil die Kinder krank sind. Hoffentlich werde ich das eines Tages mal.

Du hast Dich ja schließlich auch noch um ein anderes ‚Baby’ zu kümmern. Welche besonderen Merkmale zeichnen Eure Produkte aus?
Bei einer Brille geht es um mehr, als die Sehkraft zu verbessern. Man teilt der Welt auch mit, wer man ist. Also möchten wir Brillen entwerfen, mit denen die Leute ihre individuelle Persönlichkeit hervorheben können. Eines unserer Markenzeichen ist das Design der mit Beta-Titan verdrahteten Nasenpads aller Gestelle. Dafür sind wir mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet worden. Durch den verstellbaren Draht lassen sich unsere Brillen an jegliche Gesichtsform anpassen. Noch dazu ist es ein schönes Detail im Gesamtdesign, da der Draht die Frontpartie der Gestelle umschlingt.
Ein weiteres Markenzeichen von FLEYE sind die speziell passenden Clip-Ons. Für fast alle unserer Brillen gibt es eigens entworfene Sonnenbrillenaufsätze. Die passen hundertprozentig zur Form und Farbgestaltung der Gestelle und sind speziell für einzelne Modelle entwickelt, was für ein sehr stimmiges Gesamtbild sorgt. Weiterhin sind alle unsere Brillen federleicht, auch wenn sie einen sehr markanten Rahmen haben. Viele Leute sind überrascht, wenn sie eine Brille von FLEYE anprobieren. Leichtigkeit und Tragekomfort sind unsere Markenzeichen.

Welche Materialien kommen in Euren Gestellen zum Einsatz – und warum?
Wir verwenden ausschließlich allergiefreundliche Materialien wie Azetat, Beta-Titan, Karbonfasern und natürliches Horn. Abgesehen von ihrer Eignung für Allergiker sind das auch extrem leichte Materialien.

Eure Brillen sind nicht nur leicht, sondern häufig auch extrem bunt. Wie kommt’s?
Immer nur braune und schwarze Gestelle wären doch total langweilig. Mit etwas Farbe ziehen die Gestelle viel mehr Aufmerksamkeit auf sich, egal ob im Regal, im Schaufenster oder im Gesicht eines Trägers. Wir spielen gern mit Kombinationen aus bunten Bügeln und eher ruhigen Frontpartien, aber manchmal mischen wir auch die wildesten Kombinationen zusammen. Bei unseren Designs und Farbkombinationen gehen wir nicht auf Nummer Sicher, sondern auch gern mal an die Grenzen. Und manchmal sind die verrücktesten Modelle dann unsere Verkaufshits!

Im Vergleich zu anderen Marken sind Eure Brillen eher ‚klobig’. Wie vermeidet Ihr, dass selbst breiträumigere Brillen zu schwer werden?
Das entscheiden vor allem die von uns verwendeten Materialien. Die sind alle sehr leicht, also sehen die Brillen vielleicht schwer aus, wiegen aber überraschend wenig. Für eher traditionelle Kunden haben wir auch eine Reihe sehr dünner, federleichter Modelle im Angebot.

Für Kunden in Asien bietet FLEYE eine Reihe besonderer Modelle. Ist das für Euch ein wichtiger Markt?
Wir bieten sogar eine ganz eigene Kollektion für den asiatischen Markt. Die besteht aus den gleichen Modellen, aber mit asiatischen Passformen und anderen Farben. Wir haben in Schanghai eine eigene Firma gegründet, um die Kunden in China bestmöglich zu unterstützen und um zu zeigen, dass wir es dort ernst meinen.

Und wie man hört, habt Ihr einen Produktionsstandort in Japan?
Alle Gestelle, die wir in Asien verkaufen, werden in Japan hergestellt. Vor allem die Kunden in China wollen keine Produkte, die „Made in China“ sind.

Was sind international gesehen die stärksten Absatzmärkte, und wo läuft das Geschäft eher zäh?
Wir haben eine sehr starke Marktposition in Nordeuropa. Und obwohl es dort sehr gut läuft, sehen wir noch großes Wachstumspotenzial, insbesondere in den deutschsprachigen Ländern. Deutschland ist für Dänemark das größte Exportland und wir sind sicher, dass FLEYE dort noch stärker werden kann.

Wie unterstützt Ihr Optiker beim Verkauf Eurer Produkte?
Tolle Frage! Wir sind nicht an einem „One Night Stand“ interessiert. [lacht] Wir wollen einem Optiker nicht einen Haufen Brillen verkaufen und dann einfach verschwinden. Wenn wir einen neuen Kunden gewinnen, gehen wir eine langfristige Beziehung ein und arbeiten gemeinsam am gleichen Ziel: Der Optiker soll mit unseren Brillen so erfolgreich wie nur möglich sein.

Wie sieht diese Unterstützung im konkreten Fall aus?
Wenn zum Beispiel bestimmte Modelle sich nicht schnell genug verkaufen, räumen wir dem Optiker die Möglichkeit ein, diese gegen verkaufsträchtigere Modelle einzutauschen. Hierdurch kann der Kunde sicher sein, dass er nicht auf Regalhütern sitzen bleibt. Und wir konzentrieren uns sehr stark auf das Design attraktiver POS-Materialien. Für den Kunden soll der Kauf einer FLEYE-Brille ein Erlebnis sein. So bekommt der Kunde zum Beispiel beim Abholen seiner neuen Brille eine kleine Geschenktüte mit einem großen Mikrofaser-Tuch und zusammenfaltbarem Brillenetui – natürlich mit besonderem FLEYE-Design!

Ist „Service über die Produkte hinaus“ bei Euch ein wichtiges Thema?
Seit der Gründung von FLEYE war Service für uns ein zentraler Teil der Firmenphilosophie. Jeder Optiker wird bestätigen, dass Service zur langfristigen Kundenbindung unersetzlich ist. Und wenn ich mal kurz angeben darf: FLEYE hat jetzt drei Jahre in Folge den Titel „Supplier of the Year“ von einer der größten norwegischen Optikketten erhalten. Und bei den jährlichen Umfragen der führenden Kette hier in Dänemark bewerten die Mitarbeiter unseren Service immer deutlich besser als den der Konkurrenz.

Wie wirkt sich das beim Personal und den internen Strukturen der Firma aus?
Wenn wir neue Leute im Verkauf und Kundendienst anwerben, achten wir vor allem auf eine serviceorientierte Einstellung. Und wir bemühen uns um mehrsprachige Mitarbeiter. Wenn also ein Kunde aus Deutschland oder Österreich unsere kostenlose Hotline anruft, sprechen wir dessen Sprache. Unser Lager befindet sich hier in Dänemark, damit wir umgehend liefern können. Und wir verschicken unsere Brillen nicht einfach in langweiligen, braunen Kisten. Es soll eine nachhaltige Erfahrung für die Angestellten im Laden sein, wenn sie eine Lieferung von uns erhalten. Also haben wir unsere eigenen bunten, wiederverwendbaren Geschenkkartons entworfen. Unsere Kunden sind immer sehr angetan, wenn der Paketdienst diese bei ihnen abliefert!

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