TITAN

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23 Jul TITAN

Fabian Hofmann über die neuen Leichtgewichte aus der Coblens Kollektion

Titanbrillen scheinen schwer in Mode zu sein. Da wir vom Eyewear Magazine der Aufklärung verpflichtet sind, fragen wir nach, was es mit diesem alten und neuen Trend auf sich hat. Sparrings-Partner in unserem Style Talk ist Fabian Hofmann von Coblens Eyewear.

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Hallo Fabian. In Eurer neuen Coblens Kollektion habt Ihr diverse Titanbrillen. Was zeichnet die Edel-Metaller aus?
Zunächst mal die ultradünnen Drähte. Unsere großen Formen sind trotz ausladender Scheiben superleicht und vor allem sehr elegant. Da kommt erst gar nicht der gefährliche Kassengestell-Nerd-Look auf. Das Gelenk ist fast ein Klassiker, ich habe so etwas ähnliches mal an einer alten Militärbrille gesehen und dann ein eigenes flacheres Gelenk entwickelt, welches sich mit seiner Rundung an das Titangelenk der Azetatbrillen angleicht. COBLENS verwendet nur eigene Gelenke und bei den TWR’s sind alle Teile aus Titan, also auch die Gelenke und die Nasenpads. Beschichtet werden unsere Rahmen natürlich auch, aber letztlich sind ja ‚Ion Platings‘ nichts anderes als eine weitere Titanlegierung, die auf das Titan der Bauteile aufgebracht wird, also keine Farbe bitteschön!

Inwiefern fügen sich die Titan Modelle in die gesamte Coblens Kollektion ein?
Sie sind Teil einer Geschichte. Bei der aktuellen Kollektion ZENTRALFLUGHAFEN haben wir uns von Spionagefilmen der 60er inspirieren lassen. Nicht James Bond ist hier der Pate, sondern Harry Palmer, in ‚Funeral in Berlin‘. Der blutjunge Michael Caine spielt die Hauptrolle in der Verfilmung eines Len Deighton Romans. Und das Ganze spielt 1966, meinem Geburtsjahr, also passt das! Darüber hinaus gibt es die Verbindung des Titangelenks, ein Detail in beiden Produktfamilien. Im Übrigen, unsere Kampagnenbilder sind sehr stark an die Ästhetik dieses Films angelehnt, nur unsere Brillen sind absolut 2013! Wir verorten uns also trotz der Kampagnenmotive nicht im reinen Vintage!

Grundsätzlich stehst Du bekanntlicherweise ja eher auf gut sichtbare und auftragende Brillenstyles. Die Titanbrillen kommen jetzt sehr schlank und leicht daher. A little change in mind?
Auftragend ist gut! Ich fand das sehr spannend, unsere TWR’s sind Drahtbrillen, ganz klassisch, wenn auch mit einem ultrafeinen Querschnitt. Das ist schon fast eine randlose Geschichte. Bei einer Azetatbrille, bei Blech und auch Horn, überall da hast du die Möglichkeit, mit den Formen zu spielen, weil es immer eine Innenform und eine äußere Kontur gibt. Da kann man auch mal etwas Fleisch stehen lassen. So entstehen richtiggehend Masken mit einer eigenen Mimik. Außerdem kann man viel mit der Tiefe der Brille arbeiten, sie dreidimensional ausformen und am Ende durch Facetten und Reliefstrukturen noch mehr Tiefe schaffen, das habe ich ja in den letzten Jahren intensiv verfolgt. Das geht bei Titandraht nicht.

Was gefällt Dir an den Titanbrillen besonders gut?
Eben das Dünne, das Spinnwebenhafte! Als wir diesen Draht endlich hatten, war uns klar, die Brillen sehen anders aus. Von der Seite, da sieht man die volle Tiefe, immerhin 2,2mm, das sind steile Proportionen.

Was reizt Dich beim Design eines solch „schlanken“ Produktes? Viel zu zeichnen gibt es da ja nicht…
…denn es ist eigentlich nur eine Linie. Wenn es nur so einfach wäre… Bei einer Titandrahtbrille, also nicht einer Flachmetallvariante, bist du völlig auf die Form zurückgeworfen! Da gibt es kein Spiel, entweder die Form steht für sich selbst, nackt und unbekleidet, oder aber das war’s! So gesehen weniger ein Sinneswandel, der von dir genannte ‚Change of Mind‘, als vielmehr eine Herausforderung an mich als Designer. Ich mag den Spruch ‚less is more‘ nicht wirklich, aber das war es, worauf es hier hinauslief. Es hat mich gereizt, mal die gewohnten Pfade etwas zu verlassen. Und es ist lange her, dass ich so zufrieden über ein Ergebnis war, wie hier.

Und was ist die besondere Herausforderung beim Design und auch in der Fertigung dieser Leichtgewichte?
Die Stabilität. Und die Flexibilität. Das sind widersprüchliche Parameter, die man unter einen Hut bringen muss. Sehr wichtig sind die Schweißnähte, die dürfen nicht auftragen, müssen aber dennoch stabil sein. Und die Politur ist wichtig. Titan wirkt erst hochwertig, wenn es diesen seidigen Hochglanz hat. Und das bekommt man nur hin, wenn alles Handarbeit ist, maschinell lässt sich da nicht viel ausrichten.

Ist Titan ein aktueller Trend oder siehst Du es als einen zeitlosen Werkstoff?
Ja und ja! Azetat wird uns noch ein wenig begleiten, aber aus der Ecke der Vintage-Brillen, besonders der wirklich auf dem Flohmarkt gefundenen Modelle, kommt ein Style im Mainstream an, der nun vernünftig umgesetzt werden muss. Einer Brille aus den Sechzigern sieht man halt an, aus welcher Zeit sie stammt, es haben sich eben doch die Wahrnehmung und die Materialien geändert. Damals war Titan in der Optik noch nicht in Gebrauch und über Allergien hat sich wirklich niemand Gedanken gemacht. Und so entsteht heute eine spannende Mischung, Vintage-Styles, aber mit einer größeren Kurve und eben Titan als dem Material der Stunde. Und die gerade aufkommenden Niobiumbeschichtungen erlauben recht knallige Farben, ohne dass gleich zum Lack gegriffen werden muss. Das wird sich durchsetzen, man sieht es schon, die meisten Independent Labels versuchen sich mittlerweile an Metall, speziell Titan, aber es braucht seine Zeit. Und man braucht Erfahrung, um das dann auch ordentlich hinzubekommen. Nun muss es auf dem Markt ankommen und das liegt, glaube ich, weniger an der Bereitschaft der Kunden es auszuprobieren, denn die warten auf neue Ideen, als vielmehr an den Optikern. Die sehen eine große Scheibe und dann kommt gleich „Ach das hatten wir ja schon mal“, obwohl es einfach nicht so ist. Da würde ich mir mehr Mut wünschen… aber es ändert sich langsam.

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Für welche Art von Kunden habt Ihr diese Styles ins Programm aufgenommen? Ist es eher der avantgardistische Kosmopolit oder doch der konservative Traditionalist, der sich mit einer Titanbrille wohl fühlen wird?
Riesen Spagat, würde ich sagen! Als Gestalter sehe ich eher den designorientierten Kunden, der liegt mir in meinem Beruf näher, klar. Aber man darf niemanden ausgrenzen. Und vor allem ist eine Kollektion, die sich völlig in die Nische begibt, gefährlich. Die Optiker sind die Vermittler zwischen Kunde und den Brillenentwicklern, den Designern. Manchmal klafft da eine Lücke: Der Optiker hätte es gerne etwas ’safe‘, der Kunde ist vielleicht schon weiter und belastbarer und wünscht ausgefallenere Formen. Der Optiker denkt möglicherweise, die seien nicht so leicht zu verkaufen, und der Kunde fühlt sich gelangweilt. Da muss man einen moderaten Mittelweg gehen. Wir haben 8 Korrekturmodelle, 4 davon sehr elegant und metropolitan, mit Doppelsteg, aber dennoch sehr tragbar. Die anderen 4 Modelle sind einfacher, etwas zurückhaltender und daher auch für weniger experimentierfreudige Kunden geeignet, die unter Umständen eher den klassischen und fast bescheidenen Look und die Leichtigkeit schätzen. Wohlfühlen werden sich alle, die Brillen sind eben superleicht und komplett aus Titan, daher sind sie auch für die meisten Allergiker geeignet.

Welche Gesichtsform verträgt überhaupt solch ein Leichtgewicht?
Ich denke es gibt nicht wirklich einen Typus, für den diese Art Brille jetzt besonders geeignet wäre… sie passen jedem. Der klassische Metallbrillenfan allerdings, der z.B. aus der Flachmetallrichtung kommt, der hätte hier eine spannende Alternative. Stärkentechnisch bist Du ja eh frei bei dieser Art Brille. Eine Titanbrille kann ja leicht angepasst werden. Durch die Azetatbügelenden, die sich butterweich formen lassen, passt sie auf jede Kopfform und -Größe. Und natürlich sieht eine große Form in einem filigranen Frauengesicht anders aus als bei einem männlich kantigen Gesicht. Aber es passt wirklich in beiden Situationen, wir haben es ausprobiert. Unsere großen Doppelstegmodelle, da könnte man nun vielleicht gleich vermuten, aha, eher männlich, aber ich sehe das nicht so eng mit der Einteilung der Geschlechter.

Wie viele Modelle umfasst die Kollektion denn nun? Wie ist die Verteilung zwischen männlich und weiblich?
Und dann sind wir doch bei den Geschlechtern! Im Januar werden 12 Azetat-Korrekturmodelle und 8 Azetat-Sonnenbrillen vorgestellt. Bei den Titanbrillen sind es 8 Korrekturfassungen und 5 Sonnenbrillen. Ich bin ja bekannt für eher männliche Formen. Aber diesmal ist es sehr ausgewogen, fast halbe-halbe, vielleicht leicht in die männliche Richtung gehend. Aber wie gesagt, Geschlechtereinteilung ist nicht mein Ding.

Gibt es die Titan Modelle ausschließlich als Korrektionsfassungen oder auch mit Sunglasses?
Es gibt Überschneidungen. Einige Modelle sind beides! Aber sie sind dann doch unterschiedlich, die Sonnenbrillen haben eine prominentere ‚Augenbraue‘, einen dreidimensional geformten Bügel über den Gläsern mit dem Querschnitt einer Tragfläche. Dennoch haben die Sonnenmodelle eigene Farbstellungen. Unsere Sonnengläser sind ja ein wichtiger Bestandteil dieser Farbkombinationen, jedes Modell ist eigen, das heißt, wir bieten nicht 5 Standardgläser an, unsere rückentspiegelten Polyamidgläser haben jeweils eine zum Modell passende Färbung, alles in feinen Verläufen. Ich sehe die Brillen eher als Gesamtkunstwerke in Anführungsstrichen, weniger als Produkt, welches in allen Farben durchdekliniert werden muss. Daher sehen manche Modelle sehr unterschiedlich aus.

Und für welchen Typ von Optiker bringt Ihr die Titan Styles auf die Straße?
Wie gesagt, wir grenzen niemanden aus. Vermutlich wird es eher der sogenannte Boutique-Optiker sein, eher fashion-orientierte Geschäfte. In diesem Bereich haben wir über die Jahre gute Kontakte aufgebaut, kennen die meisten recht gut. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn es uns gelänge, auch Optiker anzusprechen, die etwas Neues ausprobieren möchten, für die es ein erster Schritt in eine neue Richtung ist. Die würden wir gerne unterstützen. Ich glaube es tut sich da einiges. Wir sind sehr offen für neue Kontakte und spannende Konzepte.

5 Keywords, die für Dich emotional am ehesten die Titanbrille bespielen?
Technische ‚Features‘ sind nicht emotional, aber die beschreiben es am besten. Also, ein Versuch: wegweisend, elegant, harmonisch, zurückhaltend, beständig. Das klingt jetzt doch eher nach einem ‚Change of Mind‘, oder?